
SLOW KITCHEN - Barcelona ist laut, schnell und oft damit beschäftigt, sich selbst zu zeigen. Cinc Sentits entscheidet sich bewusst dagegen. Im Eixample, in einer Straße ohne große Versprechen, öffnet sich ein Raum, der nichts erklären will. Wer hierherkommt, tut das nicht aus Zufall. Es ist eine bewusste Entscheidung für Ruhe, für Konzentration und für ein kulinarisches Erlebnis, das nicht nebenbei funktioniert. Schon beim Ankommen wird klar, dass Zeit hier eine andere Rolle spielt. Sie wird nicht gefüllt, sondern genutzt.
Cinc Sentits - DAS KONZEPT
Das Konzept von
Cinc Sentits basiert auf einer einfachen, fast unbequemen Idee: Essen soll wieder bewusst wahrgenommen werden. Der Name, die fünf Sinne, ist kein poetischer Rahmen, sondern eine funktionierende Grundlage. Jeder Gang ist so gedacht, dass er nicht nur schmeckt, sondern auch spürbar ist. Temperatur, Textur, Intensität und Rhythmus spielen eine ebenso große Rolle wie das eigentliche Aroma. Nichts ist zufällig, aber auch nichts überinszeniert.
Cinc Sentits verzichtet auf theatrale Gesten und laute Erklärungen. Stattdessen entsteht eine stille Dramaturgie, die sich über das gesamte Menü hinweg aufbaut. Das Konzept lebt von Reduktion und Konsequenz. Produkte werden nicht verfremdet, sondern präzise geführt. Die Küche fordert Aufmerksamkeit, aber sie zwingt sie niemandem auf. Wer bereit ist zuzuhören, wird belohnt.
Cinc Sentits - DAS MENÜ
Das Degustationsmenü ist der Kern von
Cinc Sentits und verändert sich konsequent mit den Jahreszeiten. Zutaten werden bewusst nicht wiederholt, um jedem Gang eine eigene Identität zu geben. Diese Entscheidung verleiht dem Menü eine klare Spannung. Man weiß nie, was kommt, aber man spürt, dass alles miteinander verbunden ist.
Die Produkte stammen überwiegend aus Katalonien und werden mit großer Sorgfalt ausgewählt. Fisch, Fleisch, Gemüse und Meeresfrüchte stehen nie isoliert, sondern treten in einen Dialog aus Geschmack und Textur. Manche Gänge sind zurückhaltend und fast meditativ, andere deutlich intensiver, ohne je laut zu werden. Das Menü entwickelt sich langsam, lässt Pausen zu und vermeidet Überforderung. Es ist kein Menü, das beeindrucken will. Es ist eines, das Vertrauen in den eigenen Geschmack hat.
Cinc Sentits - DER CHEFKOCH
Jordi Artal steht nicht im Mittelpunkt, obwohl alles von ihm ausgeht. Als Autodidakt hat er sich nie an eine Schule oder eine klare Linie binden lassen. Seine Küche wirkt deshalb frei, aber nicht beliebig. Man spürt jemanden, der sich alles selbst erarbeitet hat und genau deshalb sehr genau weiß, warum er etwas tut oder eben nicht tut.
Artal kocht nicht gegen Tradition, aber auch nicht für sie. Katalanische Küche ist für ihn ein Fundament, kein Denkmal. Seine Gerichte erzählen nichts von Vergangenheit, sondern von Gegenwart. Sie wirken ruhig, fast introvertiert, und genau das macht sie so präzise. Hier steht kein Ego auf dem Teller. Nur Entscheidungen. Und eine erstaunliche Klarheit darüber, wann weniger wirklich mehr ist.
Cinc Sentits - DAS ERLEBNIS
Das Erlebnis bei
Cinc Sentits beginnt nicht mit dem ersten Gang, sondern mit der Art, wie man empfangen wird. Ruhig, unaufgeregt, fast beiläufig. Niemand versucht, Stimmung zu erzeugen. Niemand erklärt, was gleich passieren wird. Diese Zurückhaltung wirkt zunächst ungewohnt und genau darin liegt ihre Wirkung. Man wird nicht bespielt, man wird ernst genommen.
Der Raum unterstützt dieses Gefühl. Er ist reduziert, aber nicht kühl.
Alles wirkt bewusst gewählt, ohne je Aufmerksamkeit einzufordern. Es gibt keine Ablenkung, keinen visuellen Lärm. Gespräche werden leiser, Bewegungen langsamer. Man merkt schnell, dass hier ein anderes Tempo gilt. Zwischen den Gängen entstehen Pausen, die nicht gefüllt werden. Und plötzlich fällt auf, wie selten man sich erlaubt, einfach zu warten.
Der Service ist präsent, ohne sich aufzudrängen. Fragen werden beantwortet, aber nie vorweggenommen. Es gibt keine langen Erklärungen, keine Geschichten, die man sich merken muss. Stattdessen entsteht Vertrauen. Vertrauen darauf, dass das, was serviert wird, für sich selbst sprechen kann. Man fühlt sich begleitet, nicht geführt.
Mit jedem Gang schärft sich die Wahrnehmung. Man beginnt, langsamer zu essen, genauer zu schmecken. Texturen fallen stärker auf, Temperaturen werden bewusster wahrgenommen. Es gibt Momente, in denen man innehält, nicht aus Überraschung, sondern aus Konzentration. Das Erlebnis ist nicht überwältigend, sondern fokussierend. Es zieht einen nach innen, statt nach außen.
Am Ende verlässt man Cinc Sentits nicht euphorisch, sondern gesammelt. Die zwei Michelin-Sterne spielen dabei keine Rolle. Sie erklären nichts von dem, was passiert ist. Man tritt wieder auf die Straße, in den Lärm der Stadt, und merkt, dass etwas geblieben ist. Eine Ruhe. Eine Aufmerksamkeit. Das Gefühl, wirklich da gewesen zu sein. Und das ist heute seltener, als es sein sollte.